Mors stupebit et natura
cum resurget creatura.





Frischfleisch ausverkauft, Reis, Nudeln, Tomatensaucen ausverkauft, Hygieneartikel aller Art schon seit Tagen ausverkauft, und jetzt ist auch mein Lieblingswein weg. Die Leute haben Geschmack: der ist nicht einmal günstig. Aber hätten die Idioten zum Hamstern nicht die Plörre aus dem Tetrapak nehmen können? Man ist entschlossen, scheint mir, die Krise auf hohem Niveau zu feiern.





(Jetzt geht das Theater wieder los, daß über die sogenannte Wahl in den USA ausführlicher berichtet wird als über den Bundestagswahlkampf. Es scheint fast so, daß die Politik der USA größeren Einfluß auf die Bürger Deutschlands hat als deren eigene Regierung.)





(Jonathan Franzen empfiehlt, einzusehen, daß der Klimawandel nicht aufzuhalten ist, und plädiert dafür, sich um lösbare Probleme zu kümmern. Damit ist er selbst Teil des Problems, dessen Unlösbarkeit er behauptet.)





Im Radio (Kulturnachrichten) den dämlichen Satz gehört: "Kinder sind die Museumsbesucher von morgen. Davon sind die Museumsleitungen in NRW überzeugt."

Nun, abgesehen davon, daß die Wahrheit dieser Aussage eine Frage der Logik, nicht aber der Überzeugungen ist, sind Kinder auch die Terroristen, Sexualstraftäter, Juwelendiebe, Drogenabhängigen, Alzheimerpatienten und Pflegefälle von morgen.





(Die Jahreszeit der Spendenaufrufe hat begonnen.)





[... ]Wir aber, die wir am Fadenende vor unseren Schirmen hocken, sind die Fruchtkörper, mit denen das Mycel hinauslauscht in die äußere Welt. [...]





(Auf manchen Baustellen wirken diese Bagger derart unbeholfen, daß man sich fragt, ob nicht drei, vier starke Männer mit Spaten schneller wären.)





Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hat Greta Thunberg mehr für die Zukunft dieses Planeten getan als sämtliche bisherigen sogenannten Klimagipfel zusammengenommen. Die Boshaftigkeit und Häme, mit der diese starke, tapfere und aufrechte Frau überzogen wird, scheint sich mir nichts anderem zu verdanken als dem uneingestandenen schlechten Gewissen der Kritiker. Diese Kritik ist in folgende Kategorien zerlegbar:

    - Greta Thunberg bewirkt nicht genug.

    - Greta Thunberg bewirkt zu viel.

    - Greta Thunberg hat recht.
Würde Greta Thunberg zum Klimagipfel fliegen, käme der klassische tu-quoque-Vorwurf zur Anwendung. Sieh da, würde es von überall her tönen, Frau Thunberg benutzt ein Flugzeug. So so. – Also nimmt sie das Schiff, um diesem völlig irrelevanten Einwand von vorneherein, man erlaube mir den Scherz, den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Das aber ist auch wieder nicht recht. Denn: Sollen das jetzt alle machen? Das ist doch keine Lösung! Wir können doch den Flugverkehr nicht durch Segelboote ersetzen! Und dann rechnet man ihr buchhalterisch vor, daß sie, was weiß ich, die Klimaneutralität um ein paar hundert Gramm Kohlenstoffdioxid verfehle. Da kann man nur sagen, habt ihr sie noch alle?
Führe sie andererseits gar nicht zum Gipfel, würde man sie wahrscheinlich des Kneifens bezichtigen.
Mit einem Wort: Greta Thunberg kann machen, was sie will. Oder besser, sie müßte eine Lösung für das Klimaproblem herbeiführen, bei der alles so bleiben kann, wie es ist. Dann wäre man vielleicht zufrieden. Vielleicht – denn wo sie schonmal dabei ist, könnte sie doch noch eben den Weltfrieden herbeiführen, die Unterernährung aus der Welt schaffen, den Rechtspopulismus und den religiösen Fundamentalismus auflösen und ein Mittel gegen Cellulite erfinden. Aber wer weiß, was den Kritikern dann wieder nicht passen würde. (Vermutlich würde der Vorwurf laut, daß sie mit dem Mittel gegen Cellulite nur männliche Schönheitsvorstellungen bediene.)





Man kann natürlich aus allem ein Geschlechterrolenproblem machen, wenn man es darauf anlegt. In einer Kolumne, die den Einsatz von Vibratoren kritisch sieht, ist folgendes zu lesen:

Es bleiben Werkzeuge, die wir da benutzen. Dinge, die nicht zu uns gehören, die keine Empfindung haben und nicht auf uns reagieren können. Dinge, die zwischen uns und unseren Körpern stehen. Dinge, die Männer ursprünglich erfunden haben, um Frauen maschinell Orgasmen verpassen zu können.
Dabei brauchen wir Frauen nun wirklich keine Hilfe in Form von Silikon und Plastik. Was wir brauchen, ist die Freiheit, unsere Sexualität genau so schamlos leben zu dürfen wie Männer.

„Dinge die Männer ursprünglich erfunden haben.“ Herrgott. Auch der Tampon und die hormonelle Empfängnisverhütung wurden von Männern erfunden. Außerdem das Fahrrad und das Auto. Das hat ihrer Beliebtheit nicht geschadet. Wenn euch das stört, daß die Erfinder Männer waren, warum habt ihr es dann nicht selbst erfunden? Oder laßt es halt, nehmt eine Binde, benutzt Kondome (wer hat die eigentlich erfunden?), werft den Vibrator auf den Müll, wenn ihr ihn nicht mögt und euren Finger lieber habt. Aber hört doch bitte damit auf, irgendwelche politischen Erwägungen an seine Benutzung oder Nichtbenutzung zu knüpfen. Denn das nervt.
Wer hat eigentlich das Papiertaschentuch erfunden? Oder den Kugelschreiber? Und sollten Frauen nicht lieber mit dem Finger schreiben und sich in die Faust schneuzen, statt schon wieder Zuflucht zu einem Hilfsmittel zu nehmen, das Männer (vermutlich Oskar Rosenfelder im Falle des Taschentuchs, László József Bíró für den modernen Kugelschreiber) erfunden haben? Wird dadurch nicht eine Abhängigkeit von Männern zementiert? Und entfremdet es Frauen nicht von ihren Körpern, wenn sie so künstliche Dinge wie Taschentücher und Kugelschreiber benutzen? Der eigene Finger in der Malfarbe, die Rotze in der Faust dagegen vermögen Tabus und Hemmungen aufzubrechen, unter denen Frauen Jahrhunderte gelitten haben, und öffnen Frauen wieder den Zugang zum eigenen Körper, seinen natürlichen Funktionen und Ausscheidungen.
Man findet solche Überlegungen zu Recht lächerlich. Und doch werden sie allen Ernstes beispielsweise in bezug auf Tampons angestellt. Der Tampon blockiere den natürlichen Abfluß; er trage mit dazu bei, die Menstruation zu einem Problem zu machen; er suggeriere die Unreinheit des Menstruums und fördere so Schamgefühle bei den Frauen; er verhindere, daß Frauen ihre Regelblutung als etwas Natürliches, ihrem Körper Gemäßes erlebten. Undsoweiter.
Hat das eigentlich mal jemand über Klopapier so formuliert? Oder wie wäre es damit: Das Kondom verhindert den freien Ausstoß des Samens; es suggeriert die Unreinheit des Ejakulats und löst Schamgefühle bei Männern aus; es verhindert, daß Männer ihren Samenerguß als etwas Natürliches, Schönes, ihrem Körper Gemäßes erleben.
Das letzte könnte man auch vom Papiertaschentuch sagen.
Reden wir, statt solchen und ähnlichen Quatsch zu phantasieren, lieber über was Schönes. Reden wir über Vibratoren. Was für Typen gibt es, worin unterscheiden sie sich, was für Vor-und Nachteile haben sie, wie sind sie zu gebrauchen, wie eher nicht, wozu taugen sie, wozu eher nicht. Es gibt sicher gute Gründe, warum Vibratoren zum Einsatz kommen. (Sonst würden sie nicht so gerne benutzt.) Es gibt sicher auch gute Gründe dagegen. (Die Geschmäcker sind eben verschieden.) Politische Überzeugungen gehören nicht dazu. Mag sein, der Vibrator zwickt oder ist zu laut oder zu kalt oder zu starr oder was weiß ich. Dann läßt man es halt bleiben und nimmt lieber den Finger oder die Quietscheente. Jedoch bleiben zu lassen, was eigentlich Spaß macht, nur weil vermeintlich emanzipatorische Gründe dagegen sprechen, scheint mir eine bescheuerte Idee zu sein. Und was ist das überhaupt für eine Emanzipation? Von einem Gerät? Du meine Güte. Und was die in der Kolumne erwähnte Freiheit zur Schamlosigkeit betrifft: Die habt ihr. Längst. Ihr müßt sie nur noch nutzen. Das ist riskant. Aber das ist Freiheit immer.