Im Roman Die Madonna mit dem Fischleib von Strátis Myrivílis gibt es die Figur eines infolge der Kleinasiatischen Katastrophe vertriebenen Lehrers, Altphilologen und glühenden Patrioten, den es zusammen mit anderen Flüchtlingen auf eine nicht näher genannte Insel in knapper Sichtweite der kleinasiatischen Küste verschlagen hat. Dort beginnt ein staatliches Bauprogramm für dauerhafte Unterkünfte. Der Krieg ist verloren, Kleinasien ist verloren, die Flüchtlinge müssen unterkommen, man akzeptiert, daß sie nicht zurückkehren werden, nie mehr, denn dort, wo sie herkommen, ist nicht mehr Griechenland. Also baut jeder sein Häuschen, die Menschen richten sich ein, lecken ihre Wunden und gewöhnen sich, beginnen zu arbeiten, zu handeln, verlieben und verheiraten sich, kriegen Kinder, bestellen den Garten und sehen die Insel bald als ihre neues Zuhause an. Bis auf einen. Ob er sich denn kein Haus bauen wolle, wird der Lehrer gefragt. Oh, antwortet der, er habe schon eines, Ah? Wo denn, was für ein Haus? Und da streckt der Lehrer die Hand aus nach dem Meer, wo am Horizont der schmale Küstenstreifen Kleinasiens sichtbar ist, und zeigt nach dem Land: Dort, ruft er aus, dort ist mein Haus, dort ist mein Obstgarten, dort ist mein Feigenbaum mit der Bank, dort mein Oleander in seinem Kübel.
Die Weigerung des Lehrers, die neue Situation zu akzeptieren, hat keinerlei Konsequenzen für die Welt, für Griechenland, für die Flüchtlinge, für die Politik. Man könnte sagen, sie ist sinnlos. Aber es ist eine Haltung, und es ist nunmal seine. Er besteht darauf, die Welt falsch finden zu dürfen; er wird das böse Spiel mitspielen müssen, wenn er nicht untergehen will; aber er will es nicht mit guter Miene tun.
Diese Haltung ist die meine. Ich werde niemals eine andere Welt akzeptieren als die, die wir im Januar 2020 verließen. Ich werde keinen Fortschritt akzeptieren, der weniger wäre als eine vollumfängliche Ungeschehenmachung dessen, was dieser Keim bewirkt hat. Ich werde keine Maßnahme oder originelle Erfindung, die jetzt aus dem Geist der Bewältigung heraus gemacht wird, als positive Bilanz würdigen. Ich werde nicht wieder zufrieden sein, ehe die absurde Periode, die wir jetzt erleben, in den Bewußtseinen der Menschen als fahle, ferne, kaum glaubhafte Erinnerung verblaßt sein wird.
Dixi.





Ätsch, spricht der Herr Solminore, nun gibt es statt Distichen diese.
   Bleibt er den Fasti auch treu, nötigen läßt er sich nicht!


Wenn erst der Sternenfuß tief in den Brunnen steigt,
auf Zehen Spitz der Mond lockend an Scheiben schlägt,
  will ich den Windkrug fort ins Helle
    tragen, zum Zelt deiner fernen Augen.

Lange im Winterschlaf ruhten die Knie uns,
tollkühn von Dunkelheit schwärzte das Haus der Docht.
  Grübelt die Tür noch über Fernen,
    leert sich das Glas, wo du trankst, von Lippen.

Noch stehn die Häuser leer, alle, des kahlen Jahrs.
Kein Zimmer weiß noch, wie, wenn du mich küßt, es braust.
  wie, wenn die Tür du schließt und da bist,
    Lampe und Fenster und Licht sich umdrehn.

Was mir dein Kuß daließ, Feuchtes der letzten Nacht,
wie mich vor Jahr und Tag labte dein nasser Mund,
  zeigten die Spinnen mir im Spiegel,
    wärmte um hundertstel Grad die Stürme.

Wenn erst nur weicher ruht Schatten vom Uhrenturm;
wenn erst der Weg sich schält, abwirft die alte Haut,
  schaff ich ein Fensterglas aus Blicken,
    beicht ich dem Schloß meiner Liebe Namen.

Wenn dann das Zwielicht prägt Vögel in weiche Nacht.
Finger am Quellengrund lösen vom Tag den Bann:
  Komm, wenn das Licht enthüllt die Ströme,
    deute mir's Lächeln des Finks im Winkel.





(Felsenfest davon überzeugt, daß mir ein anderes Leben bestimmt gewesen, grübelte ich seit Jahren darüber nach, wann eigentlich was genau schiefgelaufen war.)





Decken im Frühlicht, Gedächtnis von Schnee, Gedächtnis von Speichel.
      Schlafend fand Helle zu Haut, Haut zum Geküßtsein zurück.





den Kaffee. Und dann möchte ich von eiswürfelkaffekalten, sich an meinen langsam erwärmenden Lippen geküßt sein.





(Im übrigen möchte ich jetzt ins Freibad, drei Runden durchs Becken drehen, dann ein Eis (Schokolade und Amarena-Sahne), dann nach Hause und ins Bett, ein Stündchen oder zwei Schlaf nachholen und dann davon aufwachen, daß du neben mir liegst und dich streichelst.)